EVANGELISCHE KIRCHE IN HALLE-NEUSTADT, NIETLEBEN,
ANGERSDORF UND ZSCHERBEN

Die Nietlebener Kirche

 Die Nietlebener Kirche

Die Nietlebener Kirche wurde 1886 eingeweiht, nachdem der Bau 1884 begonnen worden war. Der Neubau wurde Ende des vorigen Jahrhunderts notwendig, weil die bis dahin benutzte Kirche auf dem Granauer Berg zu klein wurde und zu weit außerhalb des Ortes lag. 1897 wurde diese alte romanische Kirche vom Gemeindekirchenrat als Steinbruch freigegeben. Heute lockt die romantische Ruine auf dem Friedhof so manchen Spaziergänger an.

Das Besondere dieses neuen Baues ist der Versuch des königlichen Baurates Otto Kielburger, nach dem 17. Jh. erstmals wieder den typisch protestantischen Bau einer Zentralkirche zu wagen. Der achteckige Bau erweist sich deshalb als vorteilhaft, weil kein Platz weit von Altar und Kanzel entfernt ist. Die Kirche hat etwa 700 Sitzplätze im Schiff und auf den Emporen. Besondere Kunstschätze besitzt die Kirche nicht, bis auf den lebensgroßen Kruzifixus von 1702, der aus der Granauer Kirche übernommen worden ist. Die Kirche ist ein roter Backsteinbau im romanisierenden Stil.

Der Turm hat seit 1922 drei Stahlglocken (gegossen von der Firma Ulrich und Weule in Apolda). Die zwei großen Bronzeglocken von 1886 waren ein Opfer des ersten Weltkrieges geworden. Die kleine verbliebene Bronzeglocken wurde vor der Anschaffung des neuen Geläutes an eine andere Kirchengemeinde verkauft. Ohne Übertreibung kann gesagt werden, dass unsere Kirche das schönste Geläut der ganzen Umgebung besitzt. Das Gewicht der Glocken beträgt 28, 14 und 7 Zentner.

Die Orgel wurde 1886 von dem Merseburger Orgelbauer Fr. Gerhardt erbaut. Die Prospektpfeifen wurden im ersten Weltkrieg als kriegswichtiges Material beschlagnahmt und entfernt. Nach dem Kriege wurden sie durch Pfeifen aus Aluminium ersetzt, die heute noch stehen. Inzwischen ist das anfällige Instrument reparaturbedürftig, wird aber noch für Gottesdienste und Konzerte genutzt.

Die Kirche war mit einem Sandsteinaltar ausgestattet, über dessen Sandsteinkreuz sich ein Baldachin aus gleichem Material erhob. Die steinerne Kanzel in Kelchform stand am Pfeiler links vor dem Altarraum und versperrte einem großen Teil der links sitzenden Kirchenbesucher den Blick zum Altar. Bei einer Innenrenovierung wurde die Kirche 1963 innen hell gestaltet, während sie vorher einen eher düsteren Eindruck machte. Auch sind Kanzel und Altar entfernt und durch einen hölzernen Altartisch und eine hölzerne, niedrige Kanzel ersetzt worden. Der Sternenhimmel im Altarraum wurde entfernt.

Als 1975 die durch einen Sturm geknickte Wetterfahne durch Bergsteiger abgenommen werden musste, fand man in der Kugel, auf der die Wetterfahne stand, zwei Urkunden über den Bau der Kirche auf bestem Pergament und die eine auch sehr kunstvoll geschrieben. Die Kosten des Kirchenbaues sind in der Haupturkunde mit 60.000,00 Mark angegeben. In den Unterlagen heißt es weiter: „Mögen Turm und Kirche der Hut des gnädigen Gottes befohlen sein und bleiben. Sein lauteres Wort möge immer in dem Gotteshause erschallen und des Turmes Glocken nicht vergeblich zur Andacht und Erbauung rufen.”

Inzwischen ist die Nietlebener Kirchengemeinde mit ihren 340 Mitgliedern eher zu den kleineren Gemeinden zu rechnen. Das war nicht immer so. Noch 1971 betrug die Gemeindegliederzahl ca. 800. Und als der Ort ca. 1920 seine größte Bevölkerungszahl erreichte, nämlich 5500 Einwohner, da wurde die große Nietlebener Kirche tatsächlich gebraucht für die vielen Tausend Christen hier. Einschneidend für die Bevölkerung des Ortes und vielleicht auch ein Grund für den Rückgang derselben, waren die Eingemeindung in die Stadt Halle im Jahre 1956, die Stillegung ortsansässiger Betriebe und der Bau von Halle-Neustadt ab 1964 in unmittelbarer Nähe. Der Bergbau, der vom vorigen Jahrhundert ständigen Aufschwung sicherte, wurde 1936 stillgelegt.

Aber nicht nur von historischen Steinen ist zu reden, sondern auch von den lebendigen Steinen. Jeden Sonntag kommen hier Christen um 10.15 Uhr zum Gottesdienst zusammen (im Sommer in der Kirche, im Winter im Gemeinderaum des Pfarrhauses) und es finden noch eine ganze Reihe weiterer Veranstaltungen statt. Übrigens, das 90 Jahre alte Pfarrhaus mit den Gemeinderäumen liegt ungefähr 5 Minuten von der Kirche entfernt und hat schon für manche „Suchaktion” gesorgt.

 Kircheninnenraum der Kirche Nietleben
Kircheninnenraum
 Orgelprospekt der Kirche Nietleben
Orgelprospekt
 Altarraum der Kirche Nietleben
Altarraum
 Mittelfenster in der Apsis, Kirche Nietleben
Mittelfenster in der Apsis
 Taufstein in der Kirche Nietleben
Taufstein

Siehe auch:


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